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Der fliegende Hippie

Val d’Anniviers — Passepartout hat auf ihrem Handy einen sogenannten «Bird-Alert» installiert. Wenn jemand in Diepoldsau einen Gelbspötter sichtet oder eine Weissbartgrasmücke in Leuk, dann piepst es aus ihrem Handy. Das heisst, es piepst nicht einfach, sondern es piepst eine Vogelstimme. Sie gehört dem seltenen Bienenfresser, im Unterwallis zu finden. «Schau ihn dir an!», sagt sie und hält mir das Vogel-App vor die Nase. «Das ist der Hippie unter den Vögeln!» Wir fahren Richtung San Francisco, zur Golden Gate Bridge. Ich überlege mir kurz, ob ich bewusstseinserweiternde Substanzen zu mir nehmen soll, um über diese Brücke zu gehen. Oder griechischen Bergtee. Oder mindestens Blumen ins Haar stecken. Passepartout braucht das alles nicht, sie singt einfach ganz laut Scott McKenzie vor sich hin. Ich betrete mit weichen Knien die Brücke. Als sie die Golden Gate Bridge bauten, habe ich gelesen, haben sie Netze montiert, um herabfliegende Arbeiter zu retten. Die Gruppe der Geretteten nannte man den «Half Way to Hell Club». Ich bin auf halbem Weg über die Hölle, als ich dummerweise nach unten schaue. Mir wird sofort schwindlig, mein Blick verschwimmt. Als ich wieder geradeaus schaue, kommt ein Känguru auf mich zugehüpft. Ich hüpfe zur Seite ...