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Die letzten Tabu

Magazin-Artikel von
Zeitreise in Papua-Neuguinea: Man stelle sich ein Katapult vor, das die kraushaarigen Melanesier aus der Ära der Selbstjustiz und des Selbstversorgertums ohne Umweg in die globalisierte Gegenwart geschleudert hat. Unterwegs war gerade Zeit genug, T-Shirts überzuziehen und die auf Tok Pisin übersetzte Bibel zu studieren. Noch heute werden die Völker in Papua-Neuguinea ihren Ruf als Kannibalen nicht los. Wie so oft trüben die Altlasten das Landesimage der Gegenwart. Dabei kümmern sich die Stammesgruppen in den ländlichen Gebieten lediglich um ihre innenpolitischen Fehden. Die Gefahr, in einem Kochtopf zu landen, ist seit dem Auftauchen von missionarischen Eiferern verschwindend klein geworden. Sehr wohl aber strolchen die Männer noch immer mit Macheten gewappnet durch die isolierten Dörfer. Dabei sorgen Selbstgebrautes oder «Warrior Dark Rum» kaum für bessere Sitten. Doch weiss der gezähmte Krieger heutzutage, wer Freund und wer Feind ist. Depeschen aus dem Irrenhaus Neben mir auf dem Fussboden liegt Hans. Er ist mein Schlafnachbar auf den nackten Holzplanken einer Hütte am Sepik-Fluss, meinem ersten Ziel in Papua-Neuguinea. Per Mail haben wir uns vorgängig beschnuppert. Der junge Belgier verfügt über die Barmherzigkeit eines weisen Samariters, gepaart mit einer ...