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E-Mail aus Bolivien – In der Wüste der Outlaws

Magazin-Artikel von
Morgens um 8 Uhr am Busbahnhof von Potosi: Der Bus, vor dem wir seit einer halben Stunde warten, sollte jetzt abfahren. Der Typ in der Fahrerkabine schläft aber noch immer und sieht nicht aus, als würde er demnächst aufwachen. Dann die Durchsage: Der Bus fährt nicht. Alles hechten zum Ticketschalter, um ihr Geld erstattet und vielleicht bei einem anderen Unternehmen eine alternative Fahrt zu bekommen. Meine Freundin Karo und ich haben Glück und finden in einem bereits brechend vollen Bus noch zwei Plätzchen. Sieben Stunden später sind wir in Tupiza. In den Strassen steht die Hitze. Wir sind auf knapp 3000 Metern Höhe, mitten in der Hochwüste Südboliviens. Ein wenig erinnert die Umgebung mit ihren rötlichen Massiven und Canyons an den Südwesten der USA. Wir kommen im angenehm kühlen Hotel La Torre unter. Zum Hotel gehört – wie so oft – auch eine Touragentur, die unter anderem Fahrten nach San Vicente anbietet, den Ort, an dem angeblich die Outlaws Butch Cassidy und Sundance Kid gestellt und erschossen wurden. Nachdem die beiden Ende des 19. Jahrhunderts in den USA ihren Unterhalt mit Zug- und Banküberfällen bestritten hatten, war ihnen die Pinkerton-Detektivagentur so nah an die Fersen gekommen, dass sie beschlossen, sich nach Bolivien abzusetzen. Dort verdin ...